07.12.2017 20:15 : Conversations in Exile - Filmscreening & Discussion with Nicole König und Wolfgang Thies

Flüchtlingsgespräche, Berlin 2016, HD, 25 Min.

(English Translation Below)  Im Laufe des Jahres 2015 kamen- für die meisten, wie es hieß, unerwartet- so viele Geflüchtete nach Deutschland wie seit dem Ende des 2. Weltkriegs nicht. Wir haben einige von ihnen getroffen, eine Reihe Interviews geführt- überwiegend im Berliner Lageso, wo sich die einzige Registrierungsstelle der Stadt befand. Die Begegnungen und Gespräche vermittelten uns eine Vorstellung vom gegenwärtigen Krieg und Terror, der existentiellen Unsicherheit zahlloser Menschen, noch im Lageso, das als zunächst letzte Station eines Fluchtwegs zeitweise wie extraterritoriales Gebiet wirkte, in dem Unrecht und Recht aufeinander stießen und Gesetz und Gewalt gleichzeitig herrschten. 
Die Erzählungen vergegenwärtigten auch den Anspruch, den die Vergangenheit an uns richtet, denn 
„Ist nicht in Stimmen, denen wir unser Ohr schenken, ein Echo der nun verstummten?“(1)

Dabei zeigte das Engagement der Freiwilligen, die das behördliche Versagen abzumildern suchten und welches unter dem Motto „Willkommenskultur“ gelabelt wurde, daß die BürgerInnen der sog. westlichen Demokratien noch nicht gänzlich aufs Reich der Zwecke eingeschworen sind. 

Infolge des „Türkeideals“ hat sich die „Festung Europa“ nun vorerst erneut konsolidiert. Den Preis dafür, den Status quo aufrechtzuerhalten, bezahlen wir mit Zäunen, die verhindern sollen, daß „Andere“ zu uns kommen. Was aber solcher Art Ordnung ist, hat bereits Bertolt Brecht treffend bemerkt: eine Mangelerscheinung. 

(1) Walter Benjamin. Über den Begriff der Geschichte, in: Sprache u. Geschichte, Reclam 1992, S.142

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In the course of the year 2015- for many people, as was declared, unexpected- by far more refugees came to Germany as ever since the end of the Second World War.

We met some of them, conducted a number of interviews- most at the Regional Office for Health and Social Affairs Berlin (Lageso), where the only registration office of the city was located and- due to an alleged lack of staff- administrative irrationality prevailed. Our personal encounters and discussions- as different as they were- gave us an impression of the contemporary war and terror, the existential insecurity of countless people even at the Lageso, which being the last station of escape temporarily appeared like an extraterritorial area, where justice and injustice clashed and law and violence reigned simultaneously.

The narratives call into present a claim arising from the past, because „is there not an echo of those who have been silenced in the voices to which we lend our ears today?“(1)

Thereby the engagement of volunteers, who tried to lessen the administrative breakdown, showed, that the citizens of the so called western democracies „have not yet been made to swear absolute allegiance to the realm of purposes.

As a result of the deal with Turkey the fortress Europe has been consolidated once again. In order to keep up status quo we pay the price  by erecting fences preventing „Others“ to come to us. This kind of order Bertolt Brecht already noted precisely: a deficiency syndrom.

(1) Walter Benjamin, On the Concept of History, 1940

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Thursday, December 7, 2017 -
20:15 to 22:45

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